Im Jahre 1894 wurde der Turnverein von 31 Schloßborner Bürgern gegründet. Diese Männer - Frauenturnen war damals noch undenkbar- schlossen sich unter dem Motto "Seid einig und wahr, schützt Freiheit und Recht" zusammen. Ihr Ziel war die Stärkung des Körpers und des Geistes, Heranbildung der Jugend und geselliges, echt kameradschaftliches Leben zu fördern und zu pflegen.
Als Eintrittsgeld wurde 1 Mark und als Monatsbeitrag 50 Pfennige festgelegt. Für die damalige Zeit ein hoher Betrag, denn dies machte mehr als ein Stundenlohn aus. Das Protokoll weist aus,
dass im Jahr der Gründung Gesamteinnahmen in Höhe von 156,79 RM und Gesamtausgaben von 76,33 RM, mithin ein Kassenbestand von 80,46 RM vorhanden war. Den wesentlichen Teil der Ausgaben machten Trommeln und Querflöten mit 52,56 RM aus. Wenn auch nicht von einem Spielmannszug erwähnt ist, so lassen diese Anschaffungen doch darauf schließen,
dass 1894 auch gleichzeitig als die Geburtsstunde des Spielmannszuges anzusehen ist.
Mit wie viel Energie die Gründer an den Aufbau gingen, beweist die Tatsache,
dass bereits im Frühjahr 1895 ein Turnplatz "Auf dem Quäken" von den Mitgliedern in Selbsthilfe angelegt wurde. Außerdem wurde im gleichen Jahr ein Reck, Barren und weiteres Turngerät angeschafft. Die Voraussetzungen für den Turnbetrieb waren somit geschaffen. Bereits 1897 wurde dem TV Schloßborn die Ausrichtung des Turnfestes des Untertaunusbundes, der später den Namen Untertaunusgau führte, übertragen. Diese Veranstaltung brachte dem Turnverein einen für damalige Verhältnisse großen Gewinn. Der Kassenbericht weist einen
Überschuss von 173,84 RM aus.
Im Jahre 1898 konnte aufgrund dieser Entwicklung der Spielmannszug durch Kauf von 2 Trompeten, 2 Klarinetten und je eines Tenor-, Alt-
und Baßhornes zu einem Musikzug erweitert werden. Ein Jahr später wurde außerdem 1 Tuba gekauft, so
dass die Gesamtausgaben für den Spielmannszug in den Jahren 1898/99 über 200,-- RM betrugen. Den Wert dieser Anschaffung kann man nur ermessen, wenn man dabei gegenüberstellt,
dass für einen Gang zur Vorturnerstunde in Frankfurt-Unterliederbach 1,50 RM
vergütet wurden.
Der erste Vorsitzende des Turnvereins war übrigens Heinrich Schmitt (1894/95), gefolgt von Alois Horn
in den Jahren 1896 bis 1898.
Erstaunlich ist hierbei die Energie und der damit sicherlich verbundene persönliche Einsatz, mit dem
die Vereinsgründer ans Werk gingen.
Auch der damals vorherrschende Zeitgeist dürfte die Vereinsgründung und die weitere Entwicklung positiv beeinflusst haben. So ist von dem frühen Gründer der Turnbewegung in Deutschland, Friedrich Ludwig Jahn, allgemein bekannt als Turnvater Jahn, folgender Spruch überliefert:
Wir haben vorher gelebt, wir werden auch nachher leben.
Es wird weitergehen, es wird besser werden.
Darum keinen Stillstand machen, keinen Feierabend träumen. Aufwärts! Wir müssen, müssen
vorwärts gehen!
Auch international tat sich zu dieser Zeit einiges in der Turn- und Sportbewegung. So wurde 1894, also im Gründungsjahr unseres Vereins auch das Olympische Komitee ins Leben gerufen, welches dann 3 Jahre später, im Jahr 1896 in Athen die 1. Olympischen Spiele der Neuzeit veranstaltete.
Aber nun zurück zu unserem Turnverein, der im Jahre 1902 seine eigene Fahne einweihen konnte. Damit verbunden war ein Fest mit Wettturnen an dem über 90 Turner teilnahmen. Das Frauenturnen war damals noch unvorstellbar und wir haben nur den Hinweis,
dass die Festdamen für die Vereinsfahne eine kostbare Erinnerungsschleife gestiftet haben. Diese Fahne ist übrigens heute noch in Vereinsbesitz und wurde vor einigen Jahren restauriert.
Im Jahre 1905 übernahm der Verein die Ausrichtung der Gaufahrt (Heute Gau-Leichtathletikmeisterschaft), die dem Verein weiteren Auftrieb und mehrere neue Mitglieder einbrachte. Da nun die Möglichkeit bestand, im Winter den Saal vom Gasthof Frankenbach zu benutzen, wurde die Anschaffung eines transportablen Recks und einer Sprungmatte beschlossen. Im folgenden Jahr kam ein Barren und 1910 ein Pferd hinzu. Damit war der Turnbetrieb von dem Wetter unabhängig und fand entsprechend regen
Zuspruch.
Im Jahre 1912 wurde das Eintrittsalter der "Zöglinge" auf das 14. Lebensjahr herabgesetzt. Im gleichen Jahr nahmen 6 Turner unter Leitung von Peter Kugelmann am Wetturnen des Gaufestes in Bierstadt teil. Die Musterriege turnte am Reck, errang die Wertung gut und wurde mit Eichenkranz und Ehrenurkunde ausgezeichnet.
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